Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, liebe Lehrerinnen
und Lehrer, liebe Gäste, wir Schüler sind in diesem
Schuljahr an einem Punkt angelangt, wo sich zum einen unsere Wege
trennen, aber wir weiter in der Erinnerung an unsere gemeinsamen
Jahre leben werden. Kennen sie die Geschichte von den
Stachelschweinen im Winter? Sie ist von Schopenhauer und passt zu
diesem Tag.
Es wird Winter, und die Stachelschweine fangen an zu
frieren. Da kamen sie auf eine Idee, dicht zusammen zu rücken,
um sich gegenseitig zu wärmen. Das Problem ist klar: Sobald sie
dicht aneinander sitzen, stechen sie sich mit den Stacheln. Die
Stachelschweine müssen nun durch geschicktes, vorsichtiges
Probieren herausfinden, in welchen Abstand sie sich wärmen, aber
noch nicht verletzen.
Nicht mehr, und nicht weniger, als die
Stachelschweine in dieser Geschichte müssen wir Menschen das
Miteinander-Leben erst üben: was verletzt uns, was erfreut uns,
wann kommt man sich gegenseitig ins Gehege. Wir haben in den letzten
Jahren schon bewiesen, dass wir den richtigen Weg gehen. Dieser Tag
ist Anlaß für Rückschau und Ausblick. Wir haben uns
in den letzten Jahren zusammengerauft, konnten uns auf die jeweiligen
Lehrer einstellen und haben versucht, den Anforderungen gerecht zu
werden. Der Philosoph Kierkegaard hat es so formuliert: "Leben
kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts."
Den Rückblick hält jeder für sich, und in die Zukunft
blickt auch jeder mit seinen individuellen Erwartungen. Aber nur wer
seine Vergangenheit liebt, hat eine glückliche Zukunft. Die
allerdings allein - das wissen wir - kann unsere schöpferische
Kraft für die Gegenwart wecken. Aber die Forderung, einen
Studienplatz und eine gute Arbeit zu bekommen, besteht weiterhin. Ich
wünsche uns eine glückliche Zukunft und hoffe, dass uns das
"Zeugnis der Reife" die Tür zum Beruf unserer Wahl
leichter öffnet.
Zuletzt möchte ich noch im Namen der
Klasse unseren Klassenleiten Éva Lénárt und
János Flodung und all den Lehrern Dank sagen, die uns durch
die Höhen und Tiefen eines stürmischen Gymnasiastendaseins
gebracht haben.
Ich möchte nun meine Rede mit folgenden
Spruch beenden:
"Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt
habe: Ihr müsst von neuen geboren werden. Der Wind bläst,
wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weisst nicht,
woher er kommt und wohin er führt. So ist es bei jedem, der aus
dem Geist geboren ist."