"Als Anfang der siebziger Jahre
die Neue Zeitung den Wettbewerb ˝Greift zur Feder!˝ ausschrieb,
meldete sich eine Menge von Deutschschreibenden. Unter ihnen befand
sich auch die 1949 geborene, damals an der Szegediner
József-Attila-Universität Germanistikstudentin, Valeria Koch. 1974
erschienen die aus dem Ertrag der Ausschreibung ausgewählten Gedichte
und Kurzgeschichten in der Anthologie ˝Tiefe Wurzeln˝.
Damit
begann eine neue Epoche in der Geschichte der deutschsprachigen
Literatur in Ungarn. Die Autoren waren von unterschiedlichem Beruf:
Maurer, Bergleute, Bauern, Pädagogen und Akademiker. Besonders reif
erwiesen sich die Gedichte der Studentin Valeria Koch. Als
Ungarndeutsche war sie eine derer, die sowohl in der ungarischen als
auch in der deutschsprachigen, ja, in der Weltliteratur bereits
ziemlich bewandert waren. Ihre Gedichte sprachen nicht nur die Leser
aus der deutschen Minderheit in Ungarn, sondern auch Literaturfreunde
mit Deutschkenntnissen an.
Als Valeria Koch ihr Studium an der
Universität begann, war sie sprachlich bereits ansehnlich gerüstet:
sie brachte die Mundartkenntnis aus der Familie, aber auch die
Hochsprache war ihr schon als Kind nicht unbekannt, denn ihr Vater,
Leo Koch, sonst Pflanzenschutzagronom von Beruf, schrieb
Kurzgeschichten, die zunächst in der deutschsprachigen Sendung von
Studio Pécs/Fünfkirchen gelesen und dann einige auch in eine
Anthologie aufgenommen wurden. Im Klára-Leőwey-Gymnasium hatte sie in
der deutschen Sprache besonders gut bewanderte Lehrerinnen. Das
Studium an der Universität erweiterte ihren geistigen Horizont. Kein
Wunder, dass sie auf die Idee kam, mit dem damals in Ungarn nicht
besonders positiv eingestuften Philosophen Heidegger in Briefkontakt
zu kommen. Als der Briefwechsel unter den StudentInnen bekannt wurde,
wollten alle, inklusive Professoren und Polizei, die Studentin kennen
lernen, die zu einem "westdeutschen" Philosophen mit einem
nicht besonders eindeutig politikfreien Hintergrund Kontakte pflegt.
Die sprachliche Besonderheit und Einmaligkeit von Heidegger zogen sie
mehr als seine Philosophie an. Außerdem mochte Valeria Koch doch
schon damals, sich als eine sonderbare Persönlichkeit darzubieten.
Dies übrigens kam sowohl ihrem Werk als auch dessen Leser
zugute.
Eine kurze Zeit unterrichtete sie in ihrer früheren Alma
mater in Fünkirchen, ging dann zur Neuen Zeitung (Wochenblatt des
Ungarndeutschtums) nach Budapest, studierte dort Philosophie und
Journalistik, pflegte Kontakte zu dem Philosophen Tamás Nyíri und dem
Dichter János Pilinszky und vielen anderen Berufsgenossen und
Genossinnen. Ihre Werke, die in den Anthologien und in ihren
Autorenbänden erschienen sind, zeugen von einem fortlaufenden
Aufstieg an Themenwahl, dichterisch-sprachliche Formgebung und
Autorität. Wir können mit Recht feststellen: Valeria Koch ist ein
dichterischer Einzelfall, den es vielleicht alle hundert Jahre einmal
gibt. Erst recht in der ungarndeutschen Literatur.
Die Tiefe des
Gedankengutes, die handwerkliche Fertigkeit und die Absicht, sowohl
ethnische als auch nationle Schranken außer Acht zu lassen, hatten
zur Folge, dass Valeria Kochs Werk mit der Zeit als Teil der
deutschsprachigen und der internationalen Frauenlyrik des 20.
Jahrhunderts anerkannt und in Evidenz geführt wird.
Die schwere
Krankheit mit der unumgänglichen Todesperspektive 'soll' viele
Künstler zum Umdenken veranlasst haben. Ob es sich im Gedicht 'Herr'
von Valeria Koch um ein 'sehr religiöses Gedicht' handele, kann ich
nicht entscheiden. Ich vermute, dass da auch etwas wie eine ironische
Herausforderung mit dabei ist. In der Schöpfungsgeschichte steht doch
nach jedem vollendeten Tag: "und Gott sah, dass es gut war."
Weist vielleicht das Gedicht auch darauf hin, dass der Allmächtige
etwa nicht an die möglichen Konsequenzen dachte?
Die Antwort muss
der Leser finden. Zitieren wir das Gedicht:
Herr
ich liebe Dich
mit allen
Konsequenzen
Deiner Schöpfung
1987
Die Autorin war gläubig, aber nicht
fromm im herkömmlichen Sinne des Wortes. Ihre Kontakte zu anderen
frommen Menschen zeugen davon, dass sie sich für die Religion mehr
als ein Phänomen, denn als Pflichtenregelung interessierte.
Ich
glaube, dass es wichtiger ist, die Lyrik und Prosa Valeria Kochs zu
lesen als wissenschaftlich deuten zu wollen.

Gál Emese 7.a rajza