Valéria Koch : Martin Heidegger und die Wege des Seinsverständnisses



Die folgenden Fragmente sind Auszüge der Doktorarbeit von Valeria Koch. Zum Hauptziel hat sie sich, die zielgesetzte Thematisierung des Artikels – Am Wesen der Dichtung: Hölderlin Interpretation von Martin Heidegger- genommen. (Das Herangehen ist direkt fragmentarisch, die Bruchteile werden jeweils gekennzeichnet.)

Einführung:

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Was und wer war Martin Heidegger? Existentialphilosph? Hellseher? Mit seiner Ideologie der Wegweiser für den Faschismus? Genie oder Spieler? Ateist, oder Gläubiger? Spracherneuerer oder- zerstörer? Esotheriker oder lebensfremder Denker? Jedes gesellschaftlichen Vorgangs Zurückhalter? Er selbst formulierte sich und sein Leben so –in der Gesamtausgabe der Heidegger Ausgabe steht am Anfang die nachste Zeile: „Wege, keine Werke”. Diese Arbeit ist ein Versuch, um seine Wege aus den Augen eines Vogels zu verfolgen.

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Die Grundfrage ist in der Wirklichkeit immer dieselbe –Frage des Seins- diese variert sich nach Büchern und Jahrzehnten. Es scheint manchmal so, als würde Heidegger nicht vorankommen und bei seiner wichtigsten Frage keine Entwicklung zeigen. Die grundlegenden Kategorien, für das menschliche Dasein, die sogenannten Existentialien, wie Sorgen, Angst, Geworfen sein ins Nichts, Sein, Heillige, Zeit, Technik- damit wir die bekanntesten nennen- diese philosophischen Kategorien werden vom Leben und Deken von allmöglichen Seiten, in allmöglichen Erscheinungen untersucht. Seine Auslegungen enden mit einer Frage, oder mit einer Fragestellung. Der Mensch fühlt sich, als ein Verirrter in einem dunklen Wald, wo er von Bäumen, Blumen von einer geheimen Vegetation umgeben ist, und keinen Ausweg findet. Komplex und schwer durchsichtbar ist diese Denkweise, dabei hat sie ihre eigene immanente Logik. Wer Heidegger verstehen will, der muss sich Ihn aneigen, fühlen, sich fähig zeigen Ihn zu studieren und muss mit der deutschen Sprache perfekt auskommen- dabei zeigt sich Heidegger selbst für die deutschsprachigen Philosophen, nicht immer als leicht in seinem wirklichen Zusammenhang öffnungsbar. Diese Philosophie ist eine völlig andere Welt, und doch manchmal mit gutem Fingerspitzengefühl und etwas Glück zeigt sie sich aufschließbar- die vorher begonnene Metapher fortsetzend, -ein scharfes klares Licht fällt dem im Wald verirrten, auf einmal wird er beleuchtet, für einige Augenblicke wird diese rätselhafte und komplexe Welt einsehbarer, durchschaubarer: für diese grossen Erlebnisse lohnt es sich in den Wald zu gehen. und der, der diesen Wald zielgerichtet, mit Ausdauer und mit Hingabe zum Denken die Wege spaziert, der ist dann sicher in der Lage nach einigen Holzwegen die beleuchtete Lichtung, mit Heidegger zu betreten. Wo das Licht-des-Seins alles beleuchtet zu solchen physischen Abenteuern will uns Martin Heidegger verführen.

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IV. Das Wesen der Dichtung: Hölderlin Interpretation

Mitte der dreissiger Jahre, hauptsächlich in den Kriegsjahren zeigte sich Heideggers Interesse, Aufmerksamkeit für die Sprache und deren vollkommensten Ausdruck besitzende Form für die Poetik (…). Ihn interesiert bloss ein Gesichtspunkt: ob sich das Sein und dessen Gerechtigkeit in dem Kunstwerk selber zeigt ,und falls ja, wie und von wem am vollkommensten. Heideggers Ansicht war, daß sich im Kunstwerk das Geschehen der Gerechtigkeit bewegt. Das Werk ist eine Öffung auf das Sein (…) ”Ich halte Hölderlin nicht nur für einen Poeten unter anderen, mit dessen Schriften sich die Literaturgeschichte befassen kann. Hölderlin ist für mich der Dichter der in die Zukunft zeigt. Der auf Gott wartet und der deswegen nicht auf der Ebene einer bloßen Hölderlin- Forschung der Literaturgeschichte bleiben darf.” In seinem Nachwort der Arbeit „Was ist Metaphysik?” schreibt er: „Der Denker sagt das Sein. Der Dichter nennt das Heilige. Dieser Dichter ist eben Hölderlin. Für die nächste, warum gerade er?” – Frage solle als Antwort die folgende Interpretation der Hölderlin Studie dienen.
Die Abhandlung beginnt – als Leitwort – mit 5 Hölderlin-Zitaten.

1. „Dichten: Diss unschuldigeste aller Geschäffte.”

2. „Darum ist der Güter Gefährlichstes die Sprache dem Menschen gegeben… damit er zeuge, was er sei…”

3. „Viel hat erfahren der Mensch,
Der Himmlischen viele genannt,
Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können von einander.”

4. „Was bleibet aber, stiften die Dichter.”

5. „Voll Verdienst, doch dichterisch wohnet

Der Mensch auf dieser Erde.”

Heidegger beginnt mit einer Frage, die er dann gleich beantwortet –die Methode ist subjektiv und konsekvent zu Ende geführt. Auf die Frage, warum er gerade Hölderlin wählt um das Wesentliche der Dichtung zu zeigen, und nicht Homer, Dante, Shakespeare, erklärt Heidegger: „Hölderlins Dichtung ist dadurch dichterisch bestimmt, dass er den Sinn der Dichtung eigenartig dichtet. Hölderlin ist für uns der Dichter der Dichter. Heidegger traut sich nicht auf eine Hölderlin Biographie einzugehen, nimmt aber einige Hölderlin –Zitate und zeigt dadurch seine Ansicht, dass Hölderlin der Dichter der Dichter sei.
Hölderlin nennt die Dichtung, in einem im Jahre 1799 an seine Mutter geschriebenem Brief, als die „unschuldigste aller Geschäffte.” Er kann es deshalb so formulieren, sagt Heidegger, weil die Dichtung das Spiel bescheiden ist, es erscheint in seiner sanften Form. Laut Sinn des Spiels ist es unschädlich und auch unwirksam, weil es immer nur Sagen und Reden bleibt. Die Dichtung ist also harmlos und unwirksam. Kann etwas unschädlicheres sein, als die blosse Sprache? –fragt Heidegger, und so ist er schon zum zweiten Thesensatz gekommen, zur Sprache, die die Umgebung und „Grundstoff” der Dichtung ist. Was sagt Hölderlin selbst über die Sprache? In einem Fragment aus dem Jahre 1880 schreibt er –„Der Güter Gefährlichste, die Sprache dem Menschen gegeben…damit zeuge, was er sei…” Die zwei Thesen heißen jetzt gemeinsam hintereinander: Die Sprache, als „unschuldigste aller Geschäffte” ist gleich „der Güter Gefährlichstes”. Wie kann dass sein?(…)

Zusammengestellt von Dávid M. Ferge 12.a

Huszár Kristóf 8.c rajza